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Kletterer klettert an einer Felswand, FixpunktKletterkurse, mit blauen Seil, Bergsteigen.

​BLOGARTIKEL:

Abseilen unter Extrembedingungen am Fels - eine militärische Übung zeigt, worauf es ankommt

ABSEILEN UNTER EXTREMBEDINGUNGEN - was eine militärische Übung über sicheres Handeln am Fels zeigt

 

Wenn Menschen an Kletterkurse denken, stellen sie sich häufig sonnige Tage am Fels vor. Ruhige Atmosphäre. Genug Zeit, um Abläufe zu üben.

Die Realität am Fels kann jedoch ganz anders aussehen.

In diesem Jahr (02/2026) durfte ich bereits zum dritten Mal in Folge im Rahmen einer Durchschlageübung der RAG der Deutschen Bundeswehr als Leiter und sicherheitsverantwortlicher Betreuer einer Abseilstation mitwirken. Solche Einsätze sind für mich besonders interessant, weil sie zeigen, ob Sicherungssysteme und Abläufe auch unter realer Belastung tragfähig sind.

36 Stunden Belastung – rund 80 Teilnehmende, 70 Kilometer Strecke

 

Die Durchschlageübung erstreckte sich über ein Zeitfenster von rund 36 Stunden. In dieser Zeit mussten etwa 120 Teilnehmende verschiedene Stationen als Hindernisse überwinden – eine davon war das Abseilen an einer rund 20 Meter hohen Felswand.

Die Teilnehmenden kamen nicht nur aus den Reihen der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, sondern auch vom niederländischen Militär, dem Technischen Hilfswerk (THW) sowie der Polizei.

Die einzelnen Stationen waren über eine Strecke von etwa 80 Kilometern verteilt. Das bedeutete, dass die Teilnehmenden zwischen den Stationen längere Märsche absolvieren mussten und die Abseilstation häufig bereits unter deutlicher körperlicher und mentaler Vorbelastung erreichten.

Die Rahmenbedingungen:

  • Durchführung bei Tag und Nacht

  • wechselnde und teils widrige Wetterbedingungen

  • körperliche und mentale Ermüdung

  • Zeitdruck durch den Übungsrahmen

  • stark unterschiedliche Erfahrungsstände

Die Abseilstation als Hindernis – klar strukturiert, effizient umgesetzt

Die Abseilstation war kein Ausbildungselement, sondern ein festes Hindernis innerhalb der Übung, das sicher, effizient und zuverlässig überwunden werden musste.

Nach einem ersten Überblick über die Station, der den Teilnehmenden durch zwei unterstützende Funktionäre vermittelt wurde, wurden sie in meine Obhut übergeben.

Meine Aufgabe bestand darin:

  • die Teilnehmenden persönlich in das Kletterseil einzubinden

  • notwendige Hintersicherungen einzurichten

  • die sicherheitsrelevanten Handgriffe für das Abseilen kurz und klar zu erklären

  • und die Teilnehmenden anschließend eigenständig abseilen zu lassen

 

Am Ende der Abseilstrecke wurden die Teilnehmenden von den unterstützenden Funktionären wieder in Empfang genommen.

All diese Schritte erfolgten in sehr kurzer Zeit, unter laufendem Übungsbetrieb, mit wechselnden Personen und unter teils erschwerten äußeren Bedingungen.

Gerade diese Kombination aus Zeitdruck, Vorbelastung und begrenztem Informationsfenster macht deutlich, wie wichtig klare Abläufe und reduzierte, verständliche Kommunikation sind.

Sicherheit zeigt sich unter realem Druck

Viele Menschen verbinden Sicherheit am Fels vor allem mit Material oder einzelnen Techniken. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder:

Sicherheit entsteht vor allem durch Struktur, Klarheit und Routine.

Gerade beim Abseilen entstehen kritische Situationen selten durch fehlendes Wissen, sondern durch:

  • Stress

  • Zeitdruck

  • Ablenkung

  • Müdigkeit

 

Wer typische Abläufe wie Umlenken oder Abseilen strukturiert lernen möchte, bekommt im Kurs Toprope 2 - Umlenken, Umfädeln und Abseilen sicher durchführen eine praxisnahe Grundlage.

Wenn Menschen nach langen Märschen, bei Dunkelheit oder schlechtem Wetter an einer Abseilstation ankommen, müssen Abläufe sofort verständlich sein. Es bleibt kein Raum für komplexe Erklärungen oder Interpretationsspielräume.

Nachtabseilen verändert Wahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit

 

Abseilen bei Dunkelheit verändert die Situation deutlich. Orientierung fällt schwerer, Bewegungen wirken unsicherer, die mentale Belastung steigt.

In solchen Momenten zeigt sich sehr schnell, ob Abläufe logisch aufgebaut und intuitiv verständlich sind.

Genau dieses Vertrauen in Abläufe und Sicherungssysteme spielt auch im Vorstieg eine zentrale Rolle. Im Kurs Vorstieg sicher meistern und Vertrauen aufbauen lernen Teilnehmende, auch in anspruchsvolleren Situationen ruhig und kontrolliert zu handeln.

Wer jeden Schritt neu durchdenken muss, gerät unter Stress schnell an seine Grenzen. Wer klare, nachvollziehbare Routinen hat, bleibt handlungsfähig.

Diese Beobachtung spielt auch in meinen Kletterkursen bei FIXPUNKT eine zentrale Rolle.

Verantwortung am Fels bedeutet Übersicht behalten

Die Leitung einer Abseilstation bedeutet nicht nur, technische Systeme zu kontrollieren. Sie bedeutet auch, Verantwortung für viele unterschiedliche Menschen in kurzer Zeit zu übernehmen.

Ähnliche Anforderungen entstehen im alpinen Klettersport oder in langen Plaisirrouten. Im Mehrseillängenkurs bei FIXPUNKT lernen Teilnehmende, solche komplexeren Situationen strukturiert und sicher zu bewältigen.

Unterschiedliche Organisationen, unterschiedliche Hintergründe, unterschiedliche Belastungszustände – all das erfordert:

  • ruhige Präsenz

  • klare Kommunikation

  • strukturierte Abläufe

  • und permanente Aufmerksamkeit

 

Sicherheit entsteht dabei nicht durch Improvisation, sondern durch Vorbereitung und Klarheit.

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Was ich aus solchen Einsätzen für meine Kletterkurse mitnehme

Auch wenn es sich bei der Durchschlageübung nicht um eine Ausbildung im klettersportlichen Sinne handelt, liefern solche Einsätze wertvolle Erkenntnisse über menschliches Verhalten unter Belastung.

Viele Grundprinzipien, die ich bei FIXPUNKT vermittle, werden hier immer wieder bestätigt:

Klare Abläufe reduzieren Fehler.

Verständnis schafft Handlungssicherheit.

Transparenz stärkt Vertrauen.

Realistische Bedingungen machen Ausbildung wirksam.

Warum Outdoor-Ausbildung so wertvoll ist

Klettern am natürlichen Fels bringt automatisch mehr Variabilität mit sich als Training in der Halle.

Wer den Schritt vom Indoor-Klettern zum natürlichen Fels gehen möchte, findet im Kurs Indoor meets Outdoor einen sicheren und strukturierten Einstieg.

Unterschiedliche Felsstrukturen, wechselnde Bedingungen und reale Exposition fördern ein tiefes Verständnis für Sicherungssysteme.

Deshalb finden alle FIXPUNKT-Kurse bewusst draußen am Fels statt – in kleinen Gruppen mit maximal vier Teilnehmenden.

Fazit

Sicheres Handeln am Fels entsteht nicht durch einzelne Handgriffe oder Ausrüstung. Es entsteht durch Verständnis, klare Abläufe und Vertrauen – in Systeme, Strukturen und die eigene Handlungskompetenz.

Ob bei einer militärischen Übung mit rund 120 Teilnehmenden, langen Märschen zwischen den Stationen und hohem Zeitdruck oder beim sportlichen Klettern am Fels:

Die grundlegenden Prinzipien bleiben dieselben.

Und genau diese Prinzipien stehen im Mittelpunkt meiner Arbeit bei FIXPUNKT.

Eine Übersicht aller Outdoor-Kletterkurse findest du hier: Alle Kletterkurse bei FIXPUNKT entdecken

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